Original Callout German

Internationaler Aufruf zum

"Internationalen Aktionstag gegen die
Kommerzialisierung von Bildung"
(5.November 2008)

 

Dieser
Aufruf wurde von AktivistInnen aus unterschiedlichen Weltregionen
initiiert, welche ebenfalls gegen Studiengebühren, den immer größer
werdenden Einfluss von Unternehmen und Konzernen auf die Hochschulen
und die fortschreitende Privatisierung von Bildung im Allgemeinen
kämpfen.
Allein
im letzten Jahr setzten sich hunderttausende Studierende,
ProfessorInnen, LehrerInnen, Eltern und ArbeiterInnen in vielen Teilen
der Welt für kostenfreie öffentliche Hochschulen ein.
Universitätsgebäude wurden besetzt, Straßen blockiert, Petitionen und
Klagen unterschrieben.
Eine ausführliche Auflistung der Proteste im Jahr 2007 kann unter folgendem Link abgerufen werden:

http://fading-hope.blog-city.com/international_student_protests_2007.htm

Eine ähnliche Zusammenfassung für das Jahr 2008 ist hier zu finden:
http://fading-hope.blog-city.com/students_protest_worldwide_against_commercialisation_bologn.htm
Zur
Zeit kämpfen Studierende u.a. in Chile, den Philippinen, den U.S.A., in
Spanien, Deutschland, Kanada, Neuseeland, Frankreich, England gegen die
Kommerzialisierung von Bildung.
Seit
1999 benutzen die meisten Regierungen Europas den Bologna-Prozess, um
die Stellung der Bildung als öffentliches Gut in Frage zu stellen.
Aufgrund dessen verfolgen die Bildungssysteme Europas zunehmend wirtschaftliche, anstatt öffentliche Interessen!
Offiziell
soll dieser Prozess der Förderung der Mobilität von Studierenden und
der Vereinfachung internationaler Anerkennung von Abschlüssen dienen,
um
Europa
bis zum Jahr 2010 zum "wettbewerbsfähigsten und dynamischsten
wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt" zu machen. Ganz so, wie alle
anderen Staaten, Länder und Staatenbündnisse auf dem Planeten dies
ebenfalls versuchen.
Meist wird versucht die Reformen mit Hilfe
unterschiedlicher Versprechen, wie z.B. mehr "Autonomie" für
Hochschulen oder besserer Studienbedingungen, schmackhaft zu machen.
Erhöhter Wettbewerb zwischen den Institutionen treibt jedoch gleichzeitig einen Selektionsprozess voran.
Durch
die Kommerzialisierung von Bildung werden Hochschulen immer stärker wie
Unternehmen geführt: Studierende werden nur noch als (potentielle)
KundInnen betrachtet (kein Mitspracherecht, weder für Studierende noch
für Lehrkräfte oder Angestellte) und MitarbeiterInnen im Dienste der
Wissenschaft verstärkt ausgebeutet. Mit dem geförderten Wettbewerb
zwischen den Institutionen wird die Etablierung eines
Zwei-Klassen-Bildungssystemens unterstützt. Eine Klasse bestehend aus
den "Glücklichen Wenigen", welche sich dem Selektionsprozess durch
finanziellen Rückhalt entziehen können und den "High Protentials" für
den Arbeitsmarkt.
Die meisten Studierenden werden keine Wahl haben,
als auf die unterfinanzierten Verlierer des Wettbewerbes zwischen den
Instituten zurückzugreifen.
Warum sollte auch die Privatwirtschaft
ein Bildungssystem finanzieren, welches nicht in ihrem Interesse,
sondern dem der ganzen Gesellschaft agiert?
Bildung
ist einfach zu wichtig, um sie den Zwängen des Marktes und den
Interessen einzelner wirtschaftlicher Akteure zu überlassen.
Bildung sollte keine Ware sein, sondern ein Recht für alle!!

 

Für Freie und Emanzipatorische öffentliche Bildung

In
vielen Teilen der Welt kämpfen Studierende für den Erhalt, oder die
Einführung von Bildung mit emanzipatorischem Anspruch, so dass Menschen
dazu befähigt werden, ihr soziales Umfeld kritisch zu reflektieren.
Verständlicherweise
haben Regierungen und wirtschaftliche Akteure kein Interesse daran,
solch eine Bildung der Masse der Bevölkerung nah zu legen.
Menschen, die ihr Umfeld kritisch reflektieren, lassen sich wesentlich schwieriger beeinflussen und kontrollieren.
Deshalb
liegt es an den Menschen selbst, sicherzustellen, dass ein freies
öffentliches Bildungssystem mit emanzipatorischem Anspruch
implementiert wird. Es ist in unserem eigenen Interesse als aktive
BürgerInnen dieser Welt!
Wir
sollten nicht tolerieren, dass die Bildungssysteme auf Unternehmen
reduziert werden, die es sich zur Aufgabe machen, lediglich
Humankapital für den Arbeitsmarkt zu "produzieren".
Wir lassen uns nicht auf Ressourcen reduzieren - wir sind Menschen!

All
dies sind Gründe, warum wir die Kommerzialisierung von Bildung auf der
ganzen Welt ablehnen. Diese ist nicht vereinbar mit einer wirklich
demokratischen Gesellschaft.
Bildung muss für alle zugänglich und nicht an ein Alter oder finanzielle Bedingungen geknüpft sein.

Die
Kommerzialisierung von Bildung ist Teil eines internationalen
Prozesses, angetrieben durch eine "neoliberale Ideologie" (siehe WTO
[GATS], und Standortwettbewerb) sowie den unersättlichen Hunger nach
Profiten. Die Devise sollte lauten: Lernen für's Leben anstatt für den
Arbeitsmarkt! Mit diesem Aufruf wollen wir diese Idee verteidigen und
international koordinierte Protestaktionen ins Rollen bringen!!

Vernetzungshilfsmittel

Auf facebook.com
gibt es eine Gruppe mit mehr als 2.600 Mitgliedern aus der ganzen Welt:
"International Students Movement for Free and Emancipating Education"  (
http://www.facebook.com/group.php?gid=24722765003).
Wir müssen uns vernetzen. Ich gebe zu, dass ein Netzwerk, bei dem jede
Nachricht zurückverfolgt werden kann, nicht gerade die ideale Plattform
für dieses Vorhaben darstellt. Doch weil Facebook so viele Menschen
vereint, wäre es schlicht eine verpasste Gelegenheit, diese Möglichkeit
nicht zu nutzen. Außerdem verdeutlicht sie wie global die Bewegung ist.

Es gib ebenfalls einen Email-Verteiler: https://lists.riseup.net/www/info/international_students_movement
Mit
dessen Hilfe können die Studierenden weltweit sich gegenseitig über
ihre Aktivitäten informieren und austauschen. Lasst Studierende in
anderen Ländern wissen, wie die Bewegungen in eurer Region gegen die
schleichende Kommerzialisierung vorgehen. Zudem findest ihr auf dieser
Seite (http://www.emancipating-education-for-all.org) ein online Forum, welches ebenfalls helfen soll, Menschen zusammen zu bringen und Informationen auszutauschen.

 

Internationaler Aktionstag am 5. November 2008

Mehrere
Provinzen in ganz Kanada bereiten einen "Aktionstag gegen
Studiengebühren" für den 5. November vor. Warum machen wir nicht gleich
einen "Internationalen Aktionstag gegen die Kommerzialisierung von
Bildung" daraus?

Wir sind Millionen von AktivistInnen auf der ganzen Welt und potentiell
sogar noch viele mehr, und die meisten Gesellschaften sind reicher als
jemals zuvor.
Deshalb
muss freie und emanzipatorische Bildung für alle keine Vision bleiben.
Zu wenig Menschen sind sich bewusst, dass viele andere Individuen auf
der Erde ebenfalls gegen genau die gleichen Zwänge ankämpfen, wie sie
selbst.

Mit diesem Aktionstag werden folgende Ziele verbunden:

  • das
    Bewusstsein für die globale Perspektive der Auseinandersetzungen gegen
    die Kommerzialisierung von Bildung (unter AktivistInnen und
    nicht-AktivistInnen) zu stärken;
  • Gruppen
    und Organisationen aus der ganzen Welt, welche sich für freie und
    emanzipatorische Bildung einsetzten zusammen zu bringen, um Erfahrungen
    auszutauschen und auf internationaler Ebene Proteste zu koordinieren;
  • und
    letztendlich wollen wir Regierungen mit internationalen Druck von
    Seiten der Studierenden, Lehrenden und ArbeiterInnen dazu zwingen für
    alle Menschen zugängliche kostenfreie öffentliche Bildungssysteme mit
    emanzipatorischem Ansatz und wirklich demokratischen Strukturen zu
    implementieren.

    Bevor wir jedoch soweit sind, muss noch verstärkt innerhalb der Gesellschaften auf diese Thematik aufmerksam gemacht werden!

Die
UnterstützerInnen dieses internationalen Aufrufes schlagen folgendes
vor: Die meisten LeserInnen dieses Textes sind Teil einer
Studierendenbewegung irgendwo auf diesem Planeten. Setzt euch zusammen
mit anderen AktivistInnen und diskutiert diesen Aufruf. Wenn ihr
beschließt, euch an dieser internationalen Bewegung zu beteiligen, dann
mobilisiert Menschen für eine Protestaktion (was genau - sei es nun
eine große, oder kleine Aktion - das bleibt komplett euch überlassen!).
Nehmt Bilder von dem Geschehen auf und filmt es und schickt das
Material [Gesichter werden unkenntlich gemacht] zusammen mit einer
kurzen Beschreibung zur Aktion über den Verteiler (
international_students_movement@lists.riseup.net). Zehn
Tage später (am 15.Nov) haben wir vor uns dann an die Arbeit zu machen
und einen Kurzfilm oder Musikvideo, sowie einen Flyer (oder gar ein
Booklet) zu erstellen, welcher/s alle Protestaktionen an diesem einen
Tag aus den verschiedenen Ländern zusammenfasst. Dieser/s kann dann
wiederum als Datei an alle interessierten Gruppen verschickt werden.
Diese drucken die Zusammenfassung aus und verteilen sie in ihrem
Umfeld.

Außerdem wird an folgenden Vorschlägen gearbeitet:

  • Ein Mobilisierungvideo und ein "Jingle" werden erstellt, sowie Plakate und Aufkleber gedruckt. (Das Video ist nun fertig und kann hier bestaunt werden.
  • Es wird evtl. eine "Live-Ticker" auf der Homepage installiert, welcher die Proteste in "Echtzeit" wiedergibt.
  • Außerdem
    werden Gruppen mit diesem Aufruf animiert sich mit anderen Gruppen im
    Ausland abzusprechen und sie während den Protesten oder/und
    Demonstrationen zwischen den Reden und Ankündigungen anzurufen und
    "live" Solidaritätsbekundungen zu übermitteln. Gruppen in Deutschland
    könnten zum Beispiel am 5.November AktivistInnen in Frankreich oder
    England während ihren Aktionen kontaktieren. Dies können im Rahmen
    dieses Aktionstages mehrere Gruppen aus mehreren Ländern machen.

Etablierte
Gruppen und Organisationen können bezüglich dieses Aktionstages
Pressemitteilungen verschicken, um größere Teile der Öffentlichkeit auf
diesen Tag aufmerksam zu machen.

Der
internationale Aktionstag wird hoffentlich erst der Anfang sein. Wenn
eine verlässliche Struktur geschaffen wurde und ausreichend
AktivistInnen aus unterschiedlichen Ecken der Welt sich beteiligen,
können wir über weitere Schritte und Aktionen nachdenken!!

Mit
diesem internationalen Aufruf laden wir alle Studierendenorganisationen
und -gruppen, sowie Organisationen des Hochschulpersonals dazu ein,
sich mit uns an diesem Aktionstag zu beteiligen und sich für wahrhaft
freie und emanzipatorische öffentliche Bildung einzusetzen.

Helft mit diesen Aufruf zu verbreiten, redet mit anderen darüber und macht mit.

Let's get organized and unite in our struggle for Free and Emancipating public Education.